Künstlerinformationen

Drens

Single: "Saditsfiction"
EP: "Pet Peeves" VÖ 15.05.2020

Recycled Earth

Drens spielen Surfpunk. Eine Stadt in Technicolor, aquamarinblauer Himmel, grüner Rasen, auf dem Flamingos staksen. Wellenrauschen, aus der Ferne weht Gelächter, Strandszenen. Aber je länger man in dieses Szenario starrt, desto greller blendet die Sonne, desto schriller klirrt das Gelächter. Es könnte alles so schön sein, aber eine kleine, böse Wolke verdeckt die Sicht, ein Stein steckt im Schuh: Auf der am 15.05.2020 über Recycled Earth erscheinenden EP von Drens nehmen sich die vier jungen Männer aus Dortmund ihrer „Pet Peeves“, so der Name der Platte, an: Konflikte und Probleme, einst verhasst, aber mittlerweile lieb gewonnen und vertraut wie ein Haustier, das man hegt und pflegt. Blöd nur, wenn dann aus den „Pet Peeves“, den kuscheltiergroßen Ärgernissen, ausgewachsene Raubtiere werden, die alles auffressen, was ihnen in die Quere kommt.

Isolation durch Lohnarbeit, Trauer, nicht geführte Aussprachen, weil Gevatter Tod dazwischenfunkt: Alles was ein Menschenleben ungemütlich und schmerzhaft macht, wird auf der EP verhandelt. Mit wenigen Worten und großer Beobachtungsgabe erzählt die Band von zerronnenen Tagen, an denen man dem Verlauf der Sonne aus dem Bett zuschaut. Von stillstehenden Telefonen, die man immer wieder anstarrt, in der Hoffnung, dass es endlich wieder klingelt. Erzählen vom Unbehagen, wenn der Vergangenheit wieder schöne Augen gemacht werden, während in der Gegenwart, jetzt gerade, Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben ertrinken.

Könnte ganz schön deprimierend klingen, nach Nabelschau und düsterer Seelenbefingerung.

Tut es aber nicht. „Pet Peeves“ besticht durch einen wunderschön leichtfüßigen Garagesound und eine sonnendurchflutete Lo-Fi-Ästhetik. Diese Wärme und Detailverliebtheit gibt den Texten eine bitter-süße Leichtigkeit, Joy Divison im Hawaii-Hemd, Surfen vor einer brennenden Küste. Und so sind die Songs nicht nur Fragen, sondern auch Antworten auf die vorangegangenen Probleme, sind Schulterklopfer, ein aufmunterndes Nicken und zwei Bier an der Bar. Die flirrende Live-Energie, mit der Drens schon u.a. auf der c/o pop, dem Open Flair und in zahllosen verschwitzten Clubs glänzen konnten, wird hier auf sechs Songs in Form gegossen und verwandelt öde Vororte in südkalifornische Teenage Utopias.

Der sich schon auf der Single-Compilation „Sunny Side Up“ kristallisierende Surf-Sound wird auf „Pet Peeves“ weiter ausgearbeitet, woran auch der Produzent der Platte einen gewissen Anteil haben dürfte: Steffen Israel, seines Zeichens Gitarrist bei Kraftklub feiert hier sein Produzentendebüt und transportiert den fuzzy Retro-Sound der Band ins Jahr 2020.

Und so gelingt „Pet Peeves“ ein seltener Spagat: Der Blick für die Beschissenheit der Dinge ist wach und geschärft und wird trotzdem nicht blind für all das Schöne und Gute. Nach den ersten sieben Singles in zwei Jahren nun also die erste EP, bald schon hundert Shows auf dem Buckel - so haben sich Drens einen wilden Ruf erspielt, gleichermaßen auf Bühnen mit The Murlocs oder Van Holzen und auf Hype Machine-Blogs wie Indie Shuffle.

Und so schreiten Drens am Ende ihrer Platte hoffnungsvoll in die gleißende Sonne. Ist das nicht der beste Schritt für dieses neue Jahrzehnt?

Pet Peeves Release Shows

13.05.20 FZW, Dortmund
14.05.20 8mm, Berlin
15.05.20 Atomino, Chemnitz

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